Längster und tiefster Unterwasser-Strassentunnel der Welt: Mit diesem beeindruckenden Titel darf sich seit Ende 2019 der norwegische Ryfylke-Tunnel schmücken. Das einmalige Bauwerk in der Nähe der Stadt Stavanger ist einer von insgesamt drei Tunnels, welche zusammen das Ryfast-Projekt bilden. Sie verbinden Stavanger mit der Region Strand. Skandinavien ist für Amberg ein spannender Markt, denn nicht nur in Norwegen, sondern auch in Schweden sind die Schweizer Hightech-Produkte und Dienstleistungen gefragt.

(1) Amberg Navigator erlaubte eine effiziente und zuverlässige Vortriebssteuerung.

(2) Auswahl der "Stativ automatisch"-Positionierungsmethode in Amberg Navigator.

(3) Eines der Tunnelportale des Ryfast-Projektes.

Kurz nach seiner Eröffnung ist der Ryfylke-Tunnel aufgrund seiner innovativen Beleuchtung bereits zum Touristen-Magnet geworden. Sie fühlen sich sogar dazu veranlasst, im Tunnel zu stoppen und Selfies zu schiessen, wie die norwegische Zeitung Aftenposten schreibt. 

Ein Highlight war auch der Bau des Tunnels. Er ist 14.3 Kilometer lang und weist eine Steigung von bis zu sieben Prozent auf. An seinem tiefsten Punkt befindet er sich 292 Meter unter dem Meeresspiegel. Zum ersten Mal wurde auf der Baustelle die Software Amberg Navigator eingesetzt. Sie erlaubte es der Tunnelcrew, die Vortriebsarbeiten selbst zu steuern. Nach jeder Sprengung konnte sie das Tunnelprofil überprüfen und anschliessend an die Messung allfällige Unterprofile an der Tunnelwand markieren und wo nötig, mit neuem Ausbruch sicherstellen, dass die Vorgaben eingehalten wurden. 

Auch die Vortriebssteuerung konnte dank Amberg Navigator effizient umgesetzt werden. Position und Ausrichtung des Bohrjumbos zum Koordinatensystem des Tunnels wurden mittels Tachymeter ermittelt. Die Tunnelcrew stellte diesen jeweils hinter dem Bohrjumbo auf und wählte die Positionierungsmethode "Stativ automatisch" am Tablet. Dank dieser neuen Funktion konnten die Arbeiter den Tachymeter vollautomatisch einrichten, ohne die Punktnummer der Kontrollpunkte im Tunnel zu kennen. Sobald der Tachymeter positioniert war, wurden die beiden Prismen am Bohrjumbo gemessen und die Koordinaten an dessen Software übertragen, womit Position und Ausrichtung des Bohrjumbos berechnet wurden. Diese Vereinfachung erlaubte eine effiziente und zuverlässige Vortriebssteuerung, welche sowohl personelle als auch zeitliche Ressourcen schonte.

Für die Dokumentation der unterschiedlichen Bauphasen wurde Amberg Navigator mit einem Faro Scanner eingesetzt. Die Datenauswertung erfolgte in den Office-Produkten Amberg Tunnelscan und Amberg Profile. So konnten Mehrausbrüche vermieden und dem Bauherrn eine lückenlose Dokumentation der Tunnelarbeiten zur Verfügung gestellt werden.

(1) Briefing vor dem TSP-Einsatz.

(2) Vorbereitung der Sprengung.

(3) Schnappschuss der Zündung.

Seismische Vorauserkundung unter schwierigen Bedingungen

Die komplexen geologischen Begebenheiten waren eine grosse Herausforderung beim Ryfast-Projekt. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, vertraute die Bauherrschaft auf Tunnel Seismic Prediction (TSP) von Amberg. Die erfahrenen Geophysiker charakterisierten die Geologie des Hundvåg-Tunnels während des Vortriebs bei geringer Überdeckung. Sie hatten die Aufgabe, mit zwei seismischen Messungen die Geologie bis zu je 130 Meter vor der Tunnelbrust vorherzusagen, um den Gefahrenbereich beim Wechsel von der Gesteinsformation Phyllit zu Gneis im Vortrieb zu identifizieren. Die Erkennung solcher Schwachstellen im Gebirge sowie die Erkundung von wasserführenden Zonen standen dabei im Fokus.

Die einfache Bedienung, die Reduzierung von Stillstandszeiten und eine Erhöhung der Bohrleistungen überzeugten den Kunden von TSP, so dass er die Technologie im sich anschliessendend 27 km langen Rogfast Tunnel-Projekt anwenden wird. Darüber hinaus verfügt er bis heute über eine detaillierte Dokumentation zur allfälligen Beweissicherung.

TSP auch in Schweden im Einsatz

Die schwedische Verkehrsbehörde Trafikverket berichtet auf ihrer Website über die Tests mit dem TSP-System, die beim Projekt E4 Förbifart Stockholm durchgeführt wurden. Sie fanden im vergangenen Jahr in den bekannten unsicheren Gebieten in Mälaren zwischen der Sätra-Kurve und Kungshatt statt.

"Wir haben viele zusätzliche Prüfungen der Geologie durchgeführt, um eine Vorstellung von den kommenden Unsicherheiten zu bekommen. Die zusätzlichen Messungen sind eine Sicherheitsmassnahme, um uns beim Bau von Tunneln auf mehr Informationen über die Qualität des Untergrundes verlassen zu können. Deshalb ist es wichtig, dass die Methode der seismischen Tunnelvorhersage getestet wurde", sagt Axel Olsen, ein Geologe des Geologischen Dienstes der schwedischen Verkehrsbehörde, im Artikel.

(1) TSP im Einsatz in Schweden: Die einfache Bedienung erlaubt bereits eine erste Datenauswertung vor Ort. 

(2) TSP ist einfach in der Handhabung und lässt sich leicht transportieren. 

Laut Trafikverket stimmten die Ergebnisse der Tests sehr gut mit früheren Ergebnissen von Kernbohrungen im gleichen Gebiet überein. Daher entschied man sich für den Kauf eines eigenen TSP-Systems, um das Gesteinsmaterial genauer vorhersagen und analysieren zu können. Zeitaufwändige Bohrungen für die Bereitstellung einer Gesteinsprobe sind nicht mehr notwendig. 

"Wir freuen uns sehr, dass die schwedische Verkehrsbehörde jetzt einen Vertrag mit Amberg unterzeichnet hat und das System im nächsten Jahr bei den Projekten E4 Förbifart Stockholm und anderen Infrastrukturprojekten eingesetzt wird", sagte Thomas Dalmalm, Technologiespezialist von Trafikverket, Ende 2019.

"Die Vorteile von TSP-Einsätzen sind kurze Baustopps und die wesentlich grösseren Analysebereiche", sagt Linus Levinson, Projektleiter am Söder-Tunnel des E4 Förbifart-Projektes gegenüber Byggvärlden, einer grossen schwedischen Wirtschaftszeitung. 
 

Im gleichen Artikel erklärt er, dass das Interesse an einem Versuch mit TSP während einer Konferenz in Norwegen geweckt wurde. "Die norwegische Strassenverwaltung verwendet die TSP-Methode bereits und da sie Infrastrukturen auf ähnliche Weise wie wir in Schweden bauen, sollte sie auch bei schwedischen Projekten gut funktionieren. Hier wurde die Idee geboren, das System an der Mälaren-Passage auszuprobieren."

Ende Februar begannen die ersten Multiple Shot Recordings mit TSP vor Ort im Rahmen eines fünftägigen Trainings mit dem Inhalt der Datenakquisition und Datenverarbeitung.

Die Produkte und Systeme von Amberg in Skandinavien. Eine Erfolgsgeschichte, die in den kommenden Jahren fortgesetzt wird. 

Erfahren Sie mehr über den Amberg Navigator und Tunnel Seismic Prediction (TSP).

Quellen: 
Titelbild: © Jarle Aasland
Tunnelinformationen, Businessportal Norwegen: https://bit.ly/2SRkcpt 
Touristenmagnet, Aftenposten: https://bit.ly/38xYGfG 
Trafikverket: https://bit.ly/2vqleAE 
Wirtschaftsmagazin Byggvärlden: https://bit.ly/2OOTlsE